Brunft und Fortpflanzung beim Damwild |
|||||
| Ab Mitte Oktober konkurrieren die Damhirsche um
das Harem. Der Platzhirsch sucht das Kahlwildrudel auf. Er markiert die
Brunftkuhlen, indem er mit den Vorderschalen und dem Geweih Bodenvertiefungen
schlägt und näßt. Zusätzlich werden in unmittelbarer
Umgebung kleine Stämme und Büsche mit dem Geweih bearbeitet.
Dabei wirden die Vorderaugendrüsen geleert. Immer wieder röhrt
der Haremsbesitzer im Revier des Rudels, lockt dadurch die weiblichen Tiere
an und hält Herausforderer auf Distanz. Beihirsche (geringe Hirsche
z.B. Spießer) werden am Rande des Rudels geduldet, wenn sie dem Kahlwild
nicht zu nahe treten. Herausforderer werden vertrieben. Nähert sich
ein Herausforderer röhrend, versucht der Platzhirsch mit einer schnelleren
Ruffolge zu antworten. Gibt der Herausforderer dann nicht auf, stolzieren
die Konkurrenten in 5 bis 10 Meter Abstand nebeneinander einher und imponieren
mit ihren Breitseiten. Flieht keiner, senken plötzlich beide ihre
Köpfe, prallen mit den Geweihen aufeinander und versuchen sich gegenseitig
rückwärts zu schieben. In der Regel flieht dann der Schwächere,
wenn der Druck des Gegners etwas nachläßt. Meist gewinnt der
Platzhirsch! Solche Kämpfe laufen nach genetisch programmierten Regeln
ab und werden im Gegensatz zu Beschädigungskämpfen als Kommentkämpfe
bezeichnet. Es gibt vergleichbare Kampftypen, wie beim Rotwild.
Am 15. Oktober 1997 kämpften die Remstecker 3-jährigen Hirsche über eine halbe Stunde im Kommentstil. Während dieser Zeit trieb der 2-jährige Weißling das Rudel hundert Meter weiter auf eine kleine Anhöhe und alle schauten dem Kampf zu. Als der Unterlegene davonlief und vom Sieger verfolgt wurde, verließ der Weißling das Rudel, rannte zu den Kämpfern und schließlich wieder zurück zum Rudel. Nach einer Weile des Verschnaufens waren alle drei Hirsche wieder beim Rudel. Das Aufeinanderschlagen der Geweihe hört man von weitem.
Die weiblichenTiere sind nur wenige Tage brunftig und werden in dieser Zeit mehrmals hintereinander beschlagen. Dabei treibt der Hirsch sie über den Brunftplatz in die Brunftkuhle. Die Brunft endet im November. Zwischen Mai und August setzt das Alttier, nachdem es sich vorher vom
Rudel abgesondert hat, ein Kalb. Das Kalb wird zunächst abgelegt und
das Altier kommt nur zum Säugen. Kurze Zeit darauf schließen
sich Mutter und Kalb dem Rudel an. Es gibt beim Damwild Kahlwildrudel mit
einem Leittier, Hirschrudel, die meist vom ältesten Hirsch geführt
werden und gemischte Rudel. |
|||||
Hansjörg Groenert
Fragen und Kommentare bitte als E-mail an: hjgroenert@uni-koblenz.de
|
|||||