Kommunikation beim Schwarzwild
Schwarzwild

Beitrag zur Verhaltensbiologie im Wildschweingehege der Waldökostation auf dem Remstecken bei Koblenz

Copyright 1996 Hansjörg Groenert



´Kommunikation ist ein Prozeß, in dem der Sender spezifisch aufgebaute Signale oder Verhaltensweisen anwendet, um das Verhalten des Empfängers zu modifizieren` (John Dittami in "Signale und Kommunikation", Spektrum akademischer Verlag: Verständliche Forschung, 1993).
Farben, Formen, Laute, Gerüche, Bewegungen und deren Kombinationen können im Tierreich Signale an die tierischen Nachbarn sein: zB. um Weibchen anzulocken, Kinder herbeizurufen, Artgenossen zu erkennen, ein Revier zu verteidigen, den Zusammenhalt im Schwarm zu garantieren etc.. Oft sind diese Signale wichtig für das Überleben. Signale und deren Funktion versucht der Ethologe herauszufinden. Das gelingt aber nur da, wo Signale und Funktionen mit den Methoden der Verhaltensbiolgie meßbar sind.
Am Schwarzwildgatter auf dem Remstecken, untersuchen wir

Akustische Signale der Wildschweine experimentell und können dabei folgende Lautäußerungen unterscheiden:

Individuelle Kontaktlaute
Grunzlaute
tragen Information über das Individuum. Ihre akustische Struktur ist individuell: z.B. Lockgrunzen. Die Mutterbache prägt mit ihren Grunzlauten die Frischlinge auf sich.

Arteigene Laute
Sie haben keine individuellen Merkmale, das heißt auch Nichtfamilienmitglieder fühlen sich angesprochen. Sie lösen als Schlüsselreiz meßbare Reaktionen bei den Artgenossen aus:
Schrecklaute: Quieken bei Berührung
Angst- und Schmerzlaute: Quieken, Schreien, Kreischen. Bei Schmerz oder großer Bedrängnis kreischen und klagen sie laut und anhaltend.
Such- und Hungerlaute: Quieken, Schreien, Kreischen. Such- und Hungerlaute bestimmter Frischlinge veranlassen die Mutterbache, Lockrufe auszustoßen, die Seitenlage einzunehmen, das Gesäuge anzubieten und die Frischlinge saugen zu lassen.
Warn- und Alarmlaute: Schnaufen oder Blasen sind Warnlaute bei Beunruhigung. Meist bleiben die Tiere beim Lautausstoß wie erstarrt stehen und flüchten danach. Warn- und Alarmlaute beeinflussen z.B. den motorischen Status der Tiere (Flucht!).
Kampf- und Abwehrlaute: Wütende Keiler "wetzen", indem sie das Gewaff aufeinanderschlagen.


Arteigene Laute mit individuellen Elementen
Lock- und Werbelaute und besondere Warn- und Alarmlaute (kein Blasen!) nehmen eine Zwischenstellung ein (vergl hierzu auch Meynhard), denn sie enthalten neben arteigenen Signalen auch individuelle Grunzelemente.
Werbelaute hört man vom Keiler in der Rauschzeit. Die Laute werden durch rhythmisches Lösen eines dorsalvelaren Verschlusses erzeugt und sind eine Art Grenzfall des Grunzens.

Die Lautdauer ist abhängig vom Erregungsniveau: Einschätzung der Gefahr, Größe des Hungers etc..
Nach Meynhard (Heinz Meynhardt "Mein Leben unter Wildschweinen, Schwarzwildreport", Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen, 5. Aufl. 1984) sind nur 10 veschiedene Laute beim Schwarzwild vorhanden.

Anwendung:
Warn- und Alarmlaute können zur Wildschadenverhütung eingesetzt werden!

Weitere Fragen?
Was geschieht, wenn man fremde Signale in ein Revier über Tonband einspielt?
Wie reagieren die Wildschweine auf den unsichtbaren vermeintlichen Eindringling?

Neben akustischen Signalen sind im Wildschweingehege noch andere Signaltypen zu beobachten.



Literatur:
Heinz Meynhardt "Mein Leben unter Wildschweinen, Schwarzwildreport",
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen, 5. Aufl. 1984

Gundlach H. "Brutfüsorge, Brutpflege, Verhaltensontogenese und Tagesrhythmik beim Europäischen Wildschwein", Zeitschrift f. Tierpsychologie, 25, 955-995, Hamburg-Berlin, 1968

Deutscher Jagdschutzverband e.V. 53113 Bonn (Hrsg) "Wildlebende Großtiere unserer Heimat" (Arbeitsmaterialen zur Tierbeobachtung für den Schul- und Freilandunterricht: Folien, Arbeitsblätter, Kopiervorlagen, Informationstexte etc) Bonn 1994, Bezugsadresse Deutscher Jagdschutzverband e.V. 53113 Bonn, Johannes-Henry-Str. 26, 1994

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