Akustische Signale der Wildschweine experimentell
und können dabei folgende Lautäußerungen unterscheiden:
Individuelle Kontaktlaute
Grunzlaute tragen Information über das Individuum.
Ihre akustische Struktur ist individuell: z.B. Lockgrunzen. Die Mutterbache
prägt mit ihren Grunzlauten die Frischlinge auf sich.
Arteigene Laute
Sie haben keine individuellen Merkmale, das heißt
auch Nichtfamilienmitglieder fühlen sich angesprochen. Sie lösen
als Schlüsselreiz meßbare Reaktionen bei den Artgenossen aus:
Schrecklaute: Quieken bei
Berührung
Angst- und Schmerzlaute: Quieken,
Schreien, Kreischen. Bei Schmerz oder großer Bedrängnis
kreischen und klagen sie laut und anhaltend.
Such- und Hungerlaute: Quieken,
Schreien, Kreischen. Such- und
Hungerlaute bestimmter Frischlinge veranlassen die Mutterbache, Lockrufe
auszustoßen, die Seitenlage einzunehmen, das Gesäuge anzubieten
und die Frischlinge saugen zu lassen.
Warn- und Alarmlaute: Schnaufen
oder Blasen sind
Warnlaute bei Beunruhigung. Meist bleiben die Tiere beim Lautausstoß
wie erstarrt stehen und flüchten danach. Warn- und Alarmlaute beeinflussen
z.B. den motorischen Status der Tiere (Flucht!).
Kampf- und Abwehrlaute: Wütende Keiler "wetzen",
indem sie das Gewaff aufeinanderschlagen.
Arteigene Laute mit individuellen
Elementen
Lock- und Werbelaute und besondere Warn- und Alarmlaute
(kein Blasen!) nehmen eine Zwischenstellung ein (vergl hierzu auch Meynhard),
denn sie enthalten neben arteigenen Signalen auch individuelle Grunzelemente.
Werbelaute hört man vom Keiler
in der Rauschzeit. Die Laute werden durch rhythmisches Lösen eines
dorsalvelaren Verschlusses erzeugt und sind eine Art Grenzfall des Grunzens.
Die Lautdauer ist abhängig vom Erregungsniveau: Einschätzung
der Gefahr, Größe des Hungers etc..
Nach Meynhard (Heinz Meynhardt "Mein Leben unter Wildschweinen, Schwarzwildreport",
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen, 5. Aufl. 1984) sind nur 10 veschiedene
Laute beim Schwarzwild vorhanden.
Anwendung:
Warn- und Alarmlaute können zur Wildschadenverhütung eingesetzt
werden!
Weitere Fragen?
Was geschieht, wenn man fremde Signale in ein Revier über Tonband
einspielt?
Wie reagieren die Wildschweine auf den unsichtbaren vermeintlichen Eindringling?
Neben akustischen Signalen sind
im Wildschweingehege noch andere Signaltypen
zu beobachten.
Literatur:
Heinz Meynhardt "Mein Leben unter Wildschweinen, Schwarzwildreport",
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen, 5. Aufl. 1984
Gundlach H. "Brutfüsorge, Brutpflege, Verhaltensontogenese
und Tagesrhythmik beim Europäischen Wildschwein", Zeitschrift
f. Tierpsychologie, 25, 955-995, Hamburg-Berlin, 1968
Deutscher Jagdschutzverband e.V. 53113 Bonn (Hrsg) "Wildlebende
Großtiere unserer Heimat" (Arbeitsmaterialen zur Tierbeobachtung
für den Schul- und Freilandunterricht: Folien, Arbeitsblätter,
Kopiervorlagen, Informationstexte etc) Bonn 1994, Bezugsadresse Deutscher
Jagdschutzverband e.V. 53113 Bonn, Johannes-Henry-Str. 26, 1994
Weitere Auskünfte: Hansjörg
Groenert