„Die Frucht der Gerechtigkeit wird Frieden sein“ (Jesaja 32,17)

Andacht für die Rheinzeitung am 14.09.2019

Manchmal wundere ich mich, dass mein Magen das mitgemacht hat. Aber vielleicht lag es an der guten Absicht, die der Antrieb für den besonderen Kaffeekonsum in meinen ersten Studentenjahren war. Wir tranken Kaffee aus Nicaragua, eines der ersten Produkte auf dem fairen Handel (der damals noch nicht so genannt wurde). Ich fand ihn nicht wirklich schmackhaft, eher zu stark geröstet, etwas bitter, und er war teuer.

Vorausgegangen war ein für mich wichtiger Lernprozess. Eigentlich lag mir nämlich das Engagement gegen die wachsende atomare Bedrohung auf dem Herzen. Ich hatte das Buch „Die letzten Kinder von Schewenborn“ von G. Pausewang gelesen, das Szenario eines Lebens nach einem Atomschlag in unserm Land. Und Ost und West waren in einen Rüstungswettlauf gestartet. Mich packte Angst, und so ging ich zu den Friedensdemonstrationen.  

Doch dann begegnete mir die Zukunftsvision des Propheten Jesaja.  Immer deutlicher merkte ich, dass ich in meinem Engagement vor allem durch die Sorge um mein eigenes Leben getrieben war. Die biblischen Texte schauen aber zuerst auf das gefährdete Leben der Anderen, auf die Menschen, die durch ungerechte Strukturen in Armut geraten und dort geradezu gefangen bleiben. Das innere Leitmotiv des christlich-jüdischen Gesellschaftsbildes ist der Einsatz für Gerechtigkeit.

Es ist ein guter Fortschritt, dass der Kaffee aus dem fairen Handel heute besser schmeckt. Und dass die Palette der fairen Produkte immer breiter wird und endlich auch den Textilmarkt erreicht. Die Uni Koblenz ist dabei, sich als Fairtrade-Uni zertifizieren zu lassen. In begleitenden Veranstaltungen kann man manches über die erzielten Erfolge und die noch notwendigen Schritte für mehr Gerechtigkeit erfahren. Und Gerechtigkeit darf gerne auch was kosten, immerhin bringt sie den Frieden als Frucht hervor.