Ausland

Kopenhagen, Dänemark (08/2009 bis 12/2009)

Der folgende Bericht enthält persönlichen Erfahrungen, die ich während meinem einsemestrigen Aufenthaltes im Herbst/Winter 2009 an der Copenhagen Business School sammeln konnten sowie Informationen, die sich während dieser Zeit als wichtig und nützlich erwiesen haben.

1 Bewerbungsprozess

Aufgrund interessanter ERASMUS-Informationsveranstaltungen und meist überaus positiver Mundpropaganda von Kommilitoninnen und Kommilitonen höherer Semester, war für mich bereits zu Beginn meines ersten Master-Semesters klar, dass meine Reise nach Kopenhagen gehen soll. Es wäre zwar noch eine Universität in Australien in Frage gekommen. Leider überschneiden sich jedoch die Semesteranfänge in Deutschland und Australien so gravierend, dass man in Deutschland ein Wintersemester und ein Sommersemester jeweils quasi nur zur Hälfte hören könnte. Die Wahl fiel also auf Kopenhagen. Als dann die Aufforderung zur Bewerbung für ein Auslandssemester kam (Ansprechpartnerin FB4: Frau Göbel), konnte ich mich aufgrund der bereits getroffenen Wahl recht schnell bewerben. Wesentliche Informationen wie man sich an der Universität Koblenz-Landau für die CBS bewirbt findet man unter www.uni-koblenz.de/FB4/Teaching/ForeignStudies /Universities/Denmark/CBS.

Sobald die Universität Koblenz die aktuelle Liste der zukünftigen Austauschstudenten an die CBS weiterleitet, erhält man per Post ein „Welcome Package“, das die wichtigsten Informationen und Anmeldeformulare enthält. Der nächste Schritt ist der Nachweis der Englischkenntnisse. Allseits akzeptiert ist der TOEFL iBit Test, bei welchem man für die Aufnahme an der CBS 90 von 120 Punkten erreichen muss. Leider wird dieser Test in Koblenz nur selten (zu meiner Zeit gar nicht) angeboten, weshalb ich diesen in Düsseldorf ablegen musste. Anmeldefristen von 2 Monaten sind keine Seltenheit. Zum Test selber kann man sagen, dass sich die Anschaffung eines TOEFL-Lernbuches empfiehlt, da man hier sehr genau auf die Aufgabentypen hin lernen kann. Die Bewerbungsfristen an der CBS sind zum Wintersemester der 1. Juni und zum Sommersemester der 1. November. Ausführliche Informationen findet man dazu unter: www.cbs.dk/cbs_international/international_students/prospective_exchange_students/ application_process.

2 Wohnungssuche und Wohnen

Die CBS unterhält in Kopenhagen mehrere (ca. 12) Wohnheime. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit des „Private Housing“. Wohnungssuche auf eigene Faust ist zwar wesentlich umständlicher und schwieriger – man kommt aber oft viel billiger an eine gute (d.h. Preis-Kosten- 2 Verhältnis stimmt) Wohnung. Ich hatte mich von Beginn an für ein kleines bis mittleres Zimmer im Wohnheim Porceleanshaven beworben und wurde dort auch aufgenommen, leider nur mit einem großen Zimmer was mit über 1000€ Monatsmiete (kleinere Zimmer gibt es ab 600€) schon fast an Wucher grenzen mag. Nur leider erfährt man dies zumeist erst so kurz vor der Abreise, dass eine alternative Wohnungssuche zwecklos ist. Alle Zimmer sind ähnlich eingerichtet und haben eine eigene Kleinküche und ein Bad, welches man sich mit einer anderen Person teilt. Des Weiteren befinden sich im Zimmer ein Bett, ein Kleiderschrank, ein Regal und eine kleine „Sitzecke“ (ein Tisch und ein Stuhl), sowie ein Schreibtisch und ein Bürostuhl. Geschirr, Besteck und Töpfen sind auch vorhanden - sogar ein Staubsauger.

3 Verpflegung

Im Allgemeinen sind die Lebenshaltungskosten in Dänemark sehr hoch, da die Dänen einen hohen Prozentsatz an Steuern zahlen, was Ihnen jedoch nichts ausmacht, da sie im Verhältnis auch mehr verdienen. Aufgrund der hohen Preise in der Cafeteria der CBS kochen viele Studenten selbst, da die Wohnheimzimmer oftmals mit eigenen Küchenzeilen ausgestattet sind. Die Lebenshaltungskosten belaufen sich trotzdem auf ungefähr das doppelte wie in Deutschland. A lkoholische Getränke kosten sogar weit über das Fünffache hinaus (1 Bier in einem Lokal: ca. 8€)

4 Buddyprogramm & Dänisch Crash Course

Dringend empfehlen würde ich jedem Studenten sich schon vor Anreise im Zuge des Anmeldeverfahrens für das Buddy-Programm zu bewerben Ein Buddy ist ein Student von der CBS gestellt (in den Bewerbungsunterlagen für die CSB kann man sich zwischen männlichem und weiblichem Buddy entscheiden), der Euch am Flughafen/Bahnhof abholt oder Euch an Eurem Wohnort in Empfang nimmt. Euer Buddy steht für all Eure Fragen und Sorgen zur Verfügung und hilft Euch, dass Ihr Euch in den ersten Tagen zurecht findet. Auch kann man so sehr schnell zu Dänen Kontakt knüpfen und diese so wesentlich besser kennen lernen. Ebenfalls empfiehlt es sich an der Dänisch Crash Course Woche teilzunehmen. Neben der Grundlagen der dänischen Sprache, welche Praxisrelevant unterrichtet wird (kaum Grammatik - eher alles für den täglichen Gebrauch), sind vor allem die Freizeitaktivitäten (z.B. ein international Dinner und „Speed- Dating“) und Stadtführungen empfehlenswert.

5 Anreise

Aus Deutschland gelangt man sehr bequem via Flugzeug, Bahn oder auch Auto (mittels Fähre oder Brücke) nach Kopenhagen. Ein eigenes Auto mitzunehmen empfiehlt sich aber nicht. Zum Einen sind Parkplätze rar, zum Anderen ist das ÖPNV-Netz überaus dicht und hoch frequentiert. Meine Lösung war es, von Verwandten nach Kopenhagen gefahren zu werden und dies mit einem Kurzurlaub zu verbinden (der sich auf jeden Fall lohnt!). Reist man per Flugzeug an, muss bedacht werden, dass man sich gepäckmäßig sehr beschränken muss, da ansonsten mit hohen Kosten für Übergepäck zu rechnen ist.  

6 CPR-Card

Die CPR-Card ist so etwas wie ein Ausweis und eine Krankenversichertenkarte in einem und muss (Pflicht!!) bei einem Aufenthalt von über 3 Montane beantragt werden. Sobald man seine CPR- Nummer beantragt und die CPR-Karte per Post erhalten hat, ist man in Dänemark krankenversichert, d.h. man braucht keine Auslandskrankenversicherung abschließen. In der ersten Woche gibt es üblicherweise ein Treffen, zu dem Mitarbeiter aus dem Frederiksberg Rathaus kommen und bei dem Beantragen der CPR-Nummer helfen. In der Regel wird man hier durch das International Office aber frühzeitig informiert.

7 Verkehrsmittel

Wie bereits erwähnt ist das ÖPNV bestens ausgebaut, vor allem die Metro, welche vollautomatisiert im drei Minuten Takt auf zwei Linien fährt (www.m.dk). Aber auch die Busse fahren oft und beinahe überall hin. Empfehlenswert ist der frühzeitige Kauf eines Monatstickets, mit welchem man sämtliche öffentliche Verkehrsmittel nutzen kann. Eine gute Internetseite, auf welcher man sich komplette Routen (inkl. Bus/Bahn/Metro) erstellen lassen kann ist http://www.rejseplanen.dk.

8 CBS

8.1 Campus

Die CBS (eigentlich „Handelshøjskolen i København“) befindet sich nicht direkt in Kopenhagen, sondern in Frederiksberg, einem nicht eingemeindeten Stadtteil direkt neben dem Stadtzentrum. Der Campus besteht aus vier Gebäude, die jeweils nicht mehr als 10 Gehminuten voneinander entfernt sind. Die Gebäude sind alle sehr neu und modern und es lassen sich überall Mensen, Bibliotheken und Lern- und Sitzmöglichkeiten finden.

8.2 Kurse

An der CBS werden sehr viele Kurse auf Englisch gehalten, so dass man aus einer Vielzahl an Kursen auswählen könnt. Das Angebot reicht von spezialisierten BWL-Fächern, über interdisziplinäre BWL- Kurse bis hin zu Kultur- und Sprachkursen. Die Vorlesungen sind teilweise sehr interaktiv gestaltet , sodass es ratsam ist den oft sehr umfangreichen Lesestoff als Vorbereitung für die Vorlesungen vorzubereiten.

8.2.1 Leadership and Management in Action

Der Kurs befasst sich hauptsächlich mit der Untersuchung von Harvard Case Studies und der Ableitung verschiedener Management- und Führungstheorien aus diesen Praxisbeispielen heraus. Der Kurs eignet sich sehr gut um einen Überblick über die gängige Management Literatur zu verschaffen und wie diese in der Praxis erfolgreich oder nicht erfolgreich angewendet wird. Die Prüfungsleistung bestand aus einer 3-seitigen Synopsis, welche die Grundlage für eine abschließende mündliche Prüfung von 20 Minuten bildete.

8.2.2 Data Warehouses

Dieser Kurs war mit 15ECTS Punkten der Schwerpunkt meines Semesters. Auch der Arbeitsaufwand war dementsprechend hoch. Der Kurs befasste sich mit dem Design und dem theoretischen Grundsätzen zur Modellierung von Data Warehouse Systemen. Kenntnisse in Datenbanken sind hier von Vorteil, jedoch nicht Voraussetzung. Die Prüfungsleistung bestand aus einem sogenannten Maxi- Project (bedeutet: eine mehr als 60-Seiten lange schriftliche Ausarbeitung) welches wir in einer vierer Gruppe bearbeiten konnten. Dabei ging es um die Modellierung und Umsetzung eines Data Warehouse Systems an einem praktischen Beispiel und die Anwendung der gelernten Methoden/Theorien. Die Arbeit muss abschließend in einer 20-minütigen mündlichen Prüfung von jedem Teammitglied einzeln erklärt und verteidigt werden. Neben dem reinen Unterricht, organisierte der Dozent auch einen Workshop bei einem ortsansässigen Unternehmen, bei dem wir die Gelegenheit hatten an einer professionellen Schulung in einem gängigen Data Warehouse Tool (SAP Business Objects) teilzunehmen.

8.2.3 Emerging Technologies for Communication and Management of Knowledge Work

Inhalt dieses Kurses war primär das Wissensmanagement in Unternehmen und wie dies durch neue Technologien unterstütz werden kann. Leider war dieser Kurs noch im Aufbau, weshalb eine klare Struktur fehlte. Zwar waren interessante Ansätze zu erkennen, wie beispielsweise die Gruppenbildung für eine Präsentation bei der möglichst verschiedene Studiengänge gemischt wurden, doch fehlte eine globale Zielsetzung. Die Prüfungsleistung war die Erstellung eines „Mini- Projects“ (bedeutet: eine 12-15 Seiten lange schriftliche Ausarbeitung) über ein selbstgewähltes Thema unter Einbezug der im Kurs besprochenen Theorien.

8.2.4 Oral Communication Skills in English

Dieser Kurs kann zusätzlich zu der 30ECTS-Punkte Beschränkung seitens der CBS gewählt werden und ich nahm an ihm teil um meine Englischkenntnisse im sprachlichen Bereich zu verbessern. Obwohl dieser Kurs für Masterstudenten ausgeschrieben war, war das Niveau der Teilnehmer (in Englisch sowie Präsentationsfähigkeiten) sehr niedrig und beschränkte sich auf kleinere Präsentationen und Argumentationen. Man wunderte sich nicht selten ob und wie diese Leute den Englisch Aufnahmetest der CBS bestanden haben. Die Prüfungsleistung bestand aus einer 20minütigen Präsentation eines selbstgewählten Themas in Englisch. Hierbei muss man sagen, dass die Dozentin eine Muttersprachlerin war und trotz des niedrigen Klassenniveaus die Anforderungen durchaus hoch hielt (was dazu führte das fast 80% des Kurses durchfielen oder nur minimal benotet wurden). Mein Fazit ist, dass dieser Kurs vor allem für Leute geeignet ist, welche im Englischen und im freien Präsentieren noch größere Defizite haben. Auf einen durchschnittlichen IM-Studenten im Master dürfte dies nicht mehr zutreffen, da beides im BSc eigentlich ausreichend trainiert wurde.

Autoren: Dorothée Zerwas und Dominique Jaritz