Die Römische Rheinbrücke bei Koblenz

Dendrochronologie als Mittel der Geschichtsforschung

Schon sehr früh kam auf Grund verschiedener Pfahlrestfunde im Rhein bei Koblenz die Vermutung auf, daß zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein ein Brückenübergang in römischer Zeit gebaut worden war. Der Kapuzinergrund, eine ehemalige Untiefe im Rhein an dieser Stelle, schien sich für einen Brückenbau geradezu anzubieten. Diese Untiefe wurde im 19. Jahrhundert eingeebnet, um die Schiffahrtsrinne zu verbessern, wobei Holzpfähle, im Rheinboden eingerammt, gefunden und gehoben wurden. Die vereinzelt geäußerte Vermutung, es handle sich dabei um die Rheinbrücke des Caesar, die zwar bei Neuwied angesiedelt wird, aber nie bewiesen werden konnte, wird durch die bestimmte Konstellation widerlegt, in welcher die Holzpfähle angeordnet waren, da diese nicht in die überlieferten Beschreibungen der caesarischen Rheinbrücke paßt. Bei dieser Ansammlung von Pfählen handelte es sich um die Reste eines Brückenjoches.
1955 setzte man den Taucherschacht "Krokodil " ein, um die Verankerungen einer improvisierten Schiffsbrücke zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein aus dem 2. Weltkrieg zu lösen. Dabei fand man eine weitere Gruppe von Pfählen. Nach deren Hebung konnte man nur vermuten, daß dieses Brückenjoch zu römischer Zeit angelegt worden war, denn die Dendrochronologie war als Mittel der Geschichtsforschung noch relativ unbekannt.
Im März 1980 fuhr das "Krokodil" noch einmal hinaus, um weitere Joche zu finden und zu heben. Dies sollte zur verbesserten Sicherheit der Fahrrinne geschehen, war aber auch eine gute Gelegenheit für die Ärchäologen.
72 Pfähle zu 5 Jochen wurden gefunden, 51 Pfähle konnten gehoben werden. Die Spitzen waren 1,7 m bis 2,8 m tief in den Boden gerammt, die Enden ragten nur wenige Dezimeter heraus. Insgesamt wurden also 7 Brückenjoche gefunden (19. Jahrhundert / 1955 / 1980), die je eine Länge von 11,5 m und eine Breite von 4 m gehabt haben müssen. Ein Joch bestand aus 25 - 28 Pfählen.
Auf Grund der regelmäßigen Anordnung, dem starken Durchmesser, dem lotrechten Einrammen und dem Fehlen von Spundwänden und der Verfüllung zwischen den Pfählen kann man behaupten, daß es sich um eine Pfahljochbrücke gehandelt hat. Zur Überbrückung des Flußbettes waren aber 25 Joche = 625 Pfähle nötig, somit konnten nur 8 % der verarbeiteten Stämme, nämlich 51 Stück, gehoben und zur dendrochronologischen Untersuchung zur Verfügung gestellt werden.
Das ist der untere Teil der Spitze von Pfahl 12 aus Joch B (siehe rote Markierung oben). Geborgen wurden 3,22m, die vollständige Spitze betrug 2,50m. Heute beträgt der Pfahldurchmesser 37cm; 48 n. Chr. war der Pfahldurchmesser 48 cm.

Ohne die Möglichkeit der Dendrochronologie hätte man wohl kaum herausfinden können, aus welcher Zeit die Pfahljochbrücke bei Koblenz stammt, denn es wurden keine Kleinfunde in unmittelbarer Nähe gemacht oder Quellen gefunden, die bewiesen hätten, daß diese Brücke von Römern gebaut wurde. Die Untersuchung der Baumstämme durch Dendrochronologen hat einige wichtige Daten ergeben. Alle Bäume konnten untersucht werden : Bei 75 % ist die gehauene Spitze 1 m bis 1,8 m lang ( also unterschiedliche Einrammtiefe ).

Die Bäume ragten 60 cm aus dem Flußgrund und hatten eine durchschnittliche Jahresringbreite von 0,9 bis 1 mm und zeigten Reaktionswuchs, was besagt, daß sie an einem Hang oder Höhenrücken auf trockenem bis frischem Boden gewachsen sein müssen. Bei den Pfählen handelt es sich um Stämme der Traubeneiche, die früher ausreichend auf Rheinhängen zu finden war. Die Eichen waren bis zu 300 Jahren alt. Die meisten Bäume standen wahrscheinlich auf einer Fläche von nur wenigen Hektar zusammen.
Zwei der Pfähle waren kaum beschädigt und tragen sogar noch ihr Splintholz (äußere und jüngere Jahresringe, die im Gegensatz zum toten Kernholz am Wassertransport und an der Nährstoffspeicherung der Eiche beteiligt waren). Bei diesen Bäumen zeigt der äußere Jahresring das Datum der Fällung : Winter 48. / 49. n. Chr. Dies dürfte somit auch das Entstehungsjahr der Pfahljochbrücke bei Koblenz sein. Sie stammt also tatsächlich aus dem römischen Zeitalter, aus der Zeit des Kaisers Claudius. Die sorgfältigen Schlagspuren an den Spitzen der Pfähle zeigen das handwerkliche Können der Erbauer. Der Bau der Brücke war mit großem Arbeitsaufwand verbunden. Die Pfahljochbrücke hatte eine natürliche Haltbarkeit bis 100 n. Chr. Es ist aber nicht auszuschließen, daß sie bereits vorher durch Feuer oder ähnlichem zerstört worden war.

Text: Sonja Hommen Kurs Bio - 3 Groenert BCGK

Fotos (1-5): aus Fehr: Römische Rheinbrücke Koblenz, 1981


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