Flechtenkartierung des Biologieleistungskurses Kl. 13 im BCG

Copyright 1996 Hansjörg Groenert


Foto vor der Ausstellung

Die Schüler des Leistungskurses Biologie, Klasse 13 des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums Koblenz, führten 1995 eine Flechtenkartierung im Raum Koblenz durch.
Bei dieser Kartierung wurden zwei jeweils ein Quadratkilometer breite Streifen in West-Ost-Richtung (vom Mühlental in Güls bis zum Truppenübungsplatz am Wintersborner-Bach in Arzheim und von Lay bis zum Siechhaustal) und zwei weitere ebenfalls ein Quadratkilometer breite Streifen in Nord-Südrichtung (vom Rauental bis zum Siechhaustal und vom Stadtzentrum bis Oberwerth) untersucht.

Karte

Karte:
rot = Flechtenwüste (Einzelfund einer Blattflechte)
gelb = Blattflechtenzone (Krusten- u. Blattflechten)
grün = Strauchflechtenzone (Krusten-, Blatt- u. Strauchflechten)






Karte der untersuchtenBäume

Karte der kartierten Bäume:
weiß = nur Rindengürnalgen: Pleurococcus sp.
rot = Krustenflechten
gelb = Blattflechten
grün = Strauchflechten





Jeder Schüler hat einen Quadratkilometer städtische Fläche bearbeitet. Er hat zunächst zehn weitgehend alte, freistehende, gleichmäßig verteilte Laubbäume mit saurer Borke, also möglichst Nadelbäume, Birke, Eiche, Schwarzerle, Birne, Buche, Apfelbaum, Linde, Ulme oder Spitzahorn unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebensräume (Gelände-, Kleinklimaunterschiede) in seinem Planquadrat ausgewählt. Vergleiche die folgenden Abbildungen von den Planquadraten Stadtmitte und Remstecken:


Dann wurden die Rindenflechten in ca. 1,80 Meter Höhe am Stamm fotografiert, bestimmt und ihre Häufigkeit geschätzt. Befanden sich an den Nachbarbäumen andere Arten, wurden sie auch ins Protokoll übernommen.


Bild:Flechtenverteilung
Abundanz: 1 = Einzelfund 3 = geringe 4 = starke 5= massenhafte Besiedlung



Unter der Leitung ihres Fachlehrers, StD Groenert, wurden die Einzelarbeiten zusammenfassend ausgewertet: Flechten leben nur von der Luft. Sie bringt ihnen Wasser und Nährsalze, aber auch Schadstoffe. Bei Baumrinden liegt der pH-Wert natürlich bedingt zwischen 3,4 und 7. Eine Rinde mit höherem pH-Wert hat meist eine reichere Flechtenflora. Durch sauren Regen wird der pH-Wert der Baumrinden niedriger. Das könnte die Flechten bedrohen. Auf Umwelteinflüsse (Trockenheit und Schadstoffe) reagieren Strauchflechten durch ihre große Oberfläche empfindlicher als Blattflechten und diese entsprechend empfindlicher als Krustenflechten. Wo auch Krustenflechten vertrieben werden (Flechtenwüste!), siedelt nur noch die grüne Rindenalge "Pleurococcus".

Insgesamt ergab sich bei der Untersuchung folgende Verteilung der Flechtentypen:

1. West-Ost-Flechtenverteilung zwischen Güls und Arzheim:
West-Ost-Flechtenverteilung:Güls - Arzheim













2. West-Ost-Flechtenverteilung zwischen Lay und Siechhaustal:
West-Ost-Flechtenverteilung: Lay- Siechhaustal













3. Nord-Süd Flechtenverteilung zwischen Rauental und Siechhaustal:
Nord-Süd Flechtenverteilung:Rauental - Siechhaustal













4. Nord-Süd-Flechtenverteilung: Stadtmitte - Oberwerth:
Nord-Süd-Flechtenverteilung: Stadtmitte - Oberwerth













Es wurde vermutet, daß ein Zusammenhang zwischen dem unterschiedlichen Flechtenvorkommen und dem Auftreten anthropogener Faktoren, wie Emissionen und Kleinklimaveränderung durch Straßenverkehr, Wohngebiete, Sportplätze usw., besteht. Im Stadtgebiet und an der Hunsrückhöhenstraße war der Flechtenwuchs stark beeinträchtigt. Strauch - und Blattflechten wurden - auch im Vergleich zu einer Messung von 1991 - verdrängt. In der Stadtmitte wurde nur noch ein Einzelfund an einem Baum registriert, sonst eine Flechtenwüste.
Eutrophierungszeiger: Xanthoriaparietina













Die gelbe Blattflechte Xanthoria parietina ist ein Eutrophierungszeiger. Dort, wo organische Abfälle gelagert werden oder Düngemittel gestreut werden, trifft man sie an. Die Schüler fanden diese Flechte z.B. am Rhein- und Moselufer, dem Astersteiner Sportplatz, den Post-Sport Tennisplätzen in Moselweiß, an der Panzerstraße und besonders häufig in Lay.

Flechtenverteilung an den extremen Standorten Stadtmitte und Remstecken (1):
Flechtenverteilung an extremenStandorten (1)














Flechtenverteilung an den extremen Standorten Stadtmitte und Remstecken (2):
Flechtenverteilung an extremen Standorten (2)













Da seit einem Jahr das Bischöfliche-Cusanus Gymnasium und seit einigen Monaten auch die Waldökostation Remstecken stündlich über Computer Windstärke, Windrichtung, Luftfeuchte,Temperatur und Sonneneinstrahlung messen, lag es nahe, die Artenzusammensetzungen und die Häufigkeitsverteilung der Flechten an den extremen Standorten Remstecken und Stadtmitte mit den gemessenen Klimafaktoren zu vergleichen.
Relative Luftfeuchte an den extremenStandorten













Durch die Computerauswertung wurde deutlich, daß -die relative Luftfeuchtigkeit täglich im Stadtgebiet bedeutend stärker zwischen extremen Werten, die sogar die 0% Grenze erreichen, schwankt, als auf dem Remstecken. Das könnte für die Flechte eine Lebensbedrohung sein.


Weitere Informationen zum Vergleich der Wetterdaten Stadtmitte und Remstecken

Weitere Informationen zur Durchführung einer Flechtenkartierung: Heft "Bioindikatoren": Unterricht Biologie, Friedrich Felber Verlag, Heft 131, Januar 1988

Weitere Informationen zu Flechten als Bioindikatoren von der Universität Salzburg


Weitere Auskünfte zu dieser Arbeit: Hansjörg Groenert
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