"Alles ist Blatt"

Helmut Haß, Koblenz


Alle Gestalten sind ähnlich, und keine gleichet der anderen; Und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz, Auf ein heiliges Rätsel (GOETHE, W.: Die Metamorphose der Pflanze).


Ganzheitliche Phänomenologie

Goethe beschäftigte sich intensiv mit dem Vorgang der Blatt- und Blütenbildung. Er verwies auf die geheime Verwandtschaft der verschiedenen äußeren Pflanzenteile als der Blätter, des Kelchs, der Krone, der Staubfaden, die sich nacheinander und gleichsam auseinander entwickeln.

Aus seinen umfangreichen Untersuchungen leitete Goethe die Vorstellung einer Urpflanze ab, die den Typus einer Blütenpflanze schlechthin verkörpert und aus der man sich alle Pflanzengestalten hervorgegangen denken kann. Goethe verstand die Ganzheit der Pflanzenentwicklung als Abbild einer höheren Ordnung, als einen Sinnzusammenhang, der unserer anschauenden Urteilskraft zugänglich ist. Ziel seiner Forschung war das Verstehen und Erkennen der in der Natur waltenden Ideen. Dies setzt eine synthetische Betrachtungsweise voraus. die das Phänomen nicht zerteilt. Man suche nichts hinter den Phänomenen; sie selber sind die Lehre.


Zeichnungen von GOETHE zur Metamorphose der Pflanzen

Einjährige Pflanze (ca 1790)
Keimung von Rizinus (1830)
Spirale Insertion am aufgeschnittenen Stengel (ca 1829)
Durchgewachsene Rose (1768, J. Hill)