Selbstermächtigung  ist ein Kennzeichen sozialer Medien. In jüngster Zeit bleibt der große emotionale Impuls der Selbstermächtigung  aber nicht innerhalb des Netzes, sondern schlägt zunehmend  in Aktion und Gewalt außerhalb des Netzes um.  Dies liegtr darin, dass BürgerInnen sich nicht mehr auf den Rechtsstaat verlassen, sondern selbst Ihr Rechtsempfinden verwirklichen wollen. Beispiele für das Spektrum für diese Form der Selbstermächtigung sind  die Online-Petitionen gegen Markus Lanz und Sibylle Lewitscharoff und die zunehmenden Angriffe gegen Wissenschaftler und private Einzelpersonen.

Bernhard Pörksen hat dies durch einige interessante Beiträge, z.B. im Cicero,  auf den Begriff der 5. Gewalt zugespitzt, ein Ausdruck, den auch Richard Gutjahr bereits vorgebracht hat. Dieser Begriff könnte dazu geeignet sein zu verstehen, wie sich die Medienlandschaft durch die  Neuen Medien in Verbindung mit einer Mentaltät der Selbstermächtigung verändert.

Auf diese Fragen gehe ich anhand der oben erwähnten Fallbeispiele (Lewitscharoff, Lanz, Selbstjustiz gegen Einzelpersonen u.a.) in meinem  Artikel Selbstgerechtigkeit – Selbstermächtigte Status-Degradierungszeremonien von Online-Petitionen bis zum Lynchen 2.0  ist Ende 2015 in der Open-Access-Zeitschrift „Linguistic Online“ erschienen. Auch eine PDF-Version steht dort zur Verfügung oder kann von diesem Blog geladen werden.

Leider komme ich nicht zu einem so positiven Ergebnis wie Bernhard Pörksen, obwohl ich die kooperativen Aspekte und auch Innovationen durchaus sehe. Diese Formen der Selbstermächtigung untergraben allerdings ihre eigene Konstitutionsgrundlage, denn nur im Rahmen eines Rechtsstaats können diese Formen der Selbstjustiz mit Berufung auf die Meinungsfreiheit überhaupt entstehen.